OBS/Kostenpflichtige Module/KI-Mining/Lageroptimierung
Die App Lageroptimierung wertet die Artikelbewegungen der letzten zwölf Monate aus und berechnet für jeden Artikel zwei Werte: den Meldebestand (wann muss nachbestellt werden?) und den Maximalbestand (wie viel wollen wir maximal bevorraten?). Diese Werte schreibt die App direkt in den OBS-Artikelstamm zurück – Ihre Disposition arbeitet sofort damit.
Dieser Leitfaden richtet sich an Einkauf, Disposition und Lagerleitung.
Kurzüberblick
Die App läuft monatlich automatisch. Sie schaut sich den echten Bedarf jedes Artikels an und berechnet daraus die passenden Bestellgrenzen – statt Melde- und Maximalbestände aus dem Bauch zu pflegen.
| Kernidee |
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Was die App nicht tut
- Sie listet keine Artikel eigenmächtig aus – sie schlägt vor.
- Sie ersetzt nicht das Urteil des Einkaufs, sondern liefert die Faktenbasis.
- Sie verbessert keine Datenqualität – sie macht Datenprobleme aber sichtbar.
Was die App liefert
- Tagesbedarf je Artikel – aus den Verkaufsmengen der letzten 12 Monate, mit Trendanpassung (steigend, fallend, stabil).
- Meldebestand – so viel muss auf Lager sein, damit zwischen Bestellung und Lieferung nichts ausverkauft ist.
- Maximalbestand – wie viel sinnvoll bevorratet wird, ohne unnötig Kapital zu binden.
- Saison-Erkennung – erkennt selbst, dass ein Artikel zu einer bestimmten Zeit ein Vielfaches umgesetzt wird, und schlägt vor, vor der Saison hochzufahren.
- Auslistungs-Empfehlung – Artikel ohne Verkauf seit über 12 Monaten werden mit Begründung markiert.
- ABC-Klassifikation – nach Beitrag zum Einkaufs-Umsatz (die Sicht, die für die Beschaffung zählt).
- Hinweis: Das Ergebnis landet direkt in OBS: die Bestellgrenzen im Artikelstamm, die Hinweise als Brief am Artikel. Zusätzlich wird zu jedem Lauf eine Protokolldatei geschrieben.
Die zwei Kernwerte: Melde- und Maximalbestand
Meldebestand
Der Meldebestand ist der Punkt, an dem nachbestellt werden muss. Er deckt die Wiederbeschaffungszeit (Zeit von der Bestellung bis zur Lieferung) plus einen Sicherheitspuffer ab, damit Sie in dieser Zeit nicht leer laufen.
Maximalbestand
Der Maximalbestand ist das Auffüllziel: Meldebestand plus die Menge, die eine Nachbestellung sinnvoll abdeckt (Ziel-Reichweite oder, falls größer, die Mindestbestellmenge des Lieferanten).
| Was bedeutet „Wiederbeschaffungszeit"? |
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| Die Zeitspanne zwischen Ihrer Bestellung beim Lieferanten und der tatsächlichen Lieferung. Standardwert in der App: 7 Tage – pro Lieferant individuell einstellbar. |
Wie die App rechnet
Bedarf und Trend
Grundlage sind die echten Verkäufe (Kassen-/Verkaufsbewegungen) der letzten 12 Monate. Einzelne Ausreißer (z. B. ein Großabverkauf) werden gekappt, damit sie den Schnitt nicht verzerren. Aus dem Vergleich „letzte 12 Monate" zu „die 12 Monate davor" leitet die App einen Trend ab und passt den Tagesbedarf an.
Die Formeln in Kurzform
Tagesbedarf = Verkauf der letzten 12 Monate / 365 (trend-angepasst) Meldebestand = Tagesbedarf x (Wiederbeschaffungszeit + Sicherheitstage) Bestellmenge = groesser von ( Tagesbedarf x Ziel-Reichweite ; Mindestbestellmenge ) Maximalbestand = Meldebestand + Bestellmenge
Saison (vorausschauend)
Für die Saison rechnet die App vom Stichtag aus in die Zukunft und gewichtet jeden Tag mit dem Saisonfaktor seines Monats. Wird der Lauf im September angestoßen, sind Oktober und November bereits im Plan – Weihnachtsartikel werden automatisch hochgefahren, ohne dass jemand eingreift.
Auslistung
Ohne Verkauf seit über 365 Tagen → Auslistungs-Empfehlung (Melde- und Maximalbestand 0). Zwischen 180 und 364 Tagen → „beobachten". Reine Dienstleistungs-/Sammelartikel (ohne Einkaufspreis) werden erkannt und von der Lagerhaltung ausgenommen.
Sicherheit: Briefe statt Automatik
Die App ist bewusst kein Automatismus, der ungefragt tausende Artikel verändert. Zwei Bremsen sorgen für Kontrolle:
| 1 · Brief am Artikel bei kritischen Fällen |
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| Bei Auslistung, stark fallendem Trend, Lieferantenproblem (Mindestbestellmenge über Jahresbedarf) oder Bestands-Auffälligkeiten legt die App einen Brief am Artikel in OBS ab – Disposition und Einkauf sehen die Empfehlung und geben sie frei. |
| 2 · Änderungen nur bei spürbarer Abweichung |
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| Ein Bestellgrenzen-Wert wird nur aktualisiert, wenn er sich deutlich ändert. So bekommen Sie nicht jeden Monat tausende 1-Stück-Korrekturen. |
- Hinweis: Empfehlung für den ersten Lauf: Auslistungs-Fälle zunächst über die Briefe abarbeiten, statt die Bestände sofort auf 0 zu setzen. Und: große Auslistungsmengen in Tranchen abwickeln, nicht in einem Schritt.
Voraussetzungen
Datenbasis (in OBS vorhanden)
- Artikelstamm mit den Bestellgrenzen-Feldern (Meldebestand, Maximalbestand).
- Artikelbewegungen (Verkäufe der letzten 12 Monate).
- Einkaufsdaten je Artikel (Einkaufspreis, Mindestbestellmenge).
Sonstiges
- Zugriff auf den OBS-Aufgabenplaner (Scheduler) für den monatlichen Lauf.
- Eine Kopie der Datenbank für den ersten Testlauf.
- Hinweis: Je gepflegter Einkaufspreise und Mindestbestellmengen sind, desto präziser die Empfehlung. Wo Daten fehlen, macht die App das über die Bemerkung sichtbar.
Einrichtung und Betrieb
Die App wird als monatliches OBS-Makro betrieben. Empfohlene Reihenfolge:
- Schritt 1 – Parameter sichten
- Die Standard-Parameter prüfen und an Ihren Betrieb anpassen – vor allem Wiederbeschaffungszeit und die Änderungsschwelle.
- Schritt 2 – Testlauf gegen eine DB-Kopie
- Den ersten Lauf gegen eine Kopie fahren und die Protokolldatei prüfen: Wie viele Updates, Auslistungen, Briefe entstehen? Sind die Größenordnungen plausibel?
- Schritt 3 – Änderungsschwelle einstellen
- Die Schwelle so wählen, dass der erste Lauf nicht zehntausende Kleinst-Korrekturen erzeugt.
- Schritt 4 – Auslistung zurückhalten
- Beim ersten Produktivlauf die Auslistungs-Fälle über die Briefe abarbeiten, statt die Bestände sofort auf 0 zu setzen.
- Schritt 5 – Automatik einrichten
- Den Lauf im Scheduler monatlich einplanen (z. B. zum Monatswechsel).
Konfiguration: die Parameter
Alle Stellschrauben sind zentral im Makro hinterlegt und lassen sich ohne Programmierung anpassen.
| Parameter | Bedeutung | Standard |
|---|---|---|
| Wiederbeschaffungszeit | Tage von der Bestellung bis zur Lieferung. | 7 Tage |
| Ziel-Reichweite | Zeitraum, den eine Nachbestellung abdecken soll. | 28 Tage |
| Sicherheitstage | Puffer gegen Bedarfsschwankung (je nach Schwankung). | 7–14 Tage |
| Verkaufs-Kappung | Einzelverkäufe über dieser Menge werden gedeckelt (Ausreißer). | 500 Stück |
| Historie | Betrachtungszeitraum der Verkäufe. | 12 Monate |
| Auslist-Grenze | Ohne Verkauf seit so vielen Tagen → Auslistung. | 365 Tage |
| Beobachten-Grenze | Ohne Verkauf seit so vielen Tagen → beobachten. | 180 Tage |
| Trend „fallend" | Verhältnis, unter dem ein Trend als stark fallend gilt. | 0,5 |
| Trend „steigend" | Verhältnis, über dem ein Trend als stark steigend gilt. | 1,5 |
| Saison-Faktor | Ab diesem Spitzen-Faktor gilt ein Artikel als saisonal. | 2 |
| Änderungsschwelle | Update nur bei spürbarer Änderung (absolut oder relativ). | einstellbar |
Hinweise in der Spalte „Bemerkung"
Neben den Zahlen liefert die App zu auffälligen Artikeln einen Klartext-Hinweis – er landet im Brief am Artikel.
| Auslöser | Hinweis |
|---|---|
| Trend stark fallend | Trend stark fallend – Sortiment prüfen. |
| Trend stark steigend | Trend stark steigend – ggf. nachjustieren. |
| Saisonal (Faktor hoch) | Saisonal (Spitze im Monat X) – vor Saison hochfahren. |
| Nur 1–3 Verkaufstage im Jahr | Sonderbestellung statt Lagerhaltung. |
| Mindestbestellmenge > Jahresbedarf | Lieferantenkonditionen prüfen (kleinere Gebinde?). |
| Negativer Buchbestand | Inventur prüfen. |
| Buchbestand unplausibel hoch | Inventur prüfen. |
| Neu im Sortiment | Anlaufphase – Werte mit Vorsicht behandeln. |
Was Sie davon haben
- Geringere Kapitalbindung – nur das auf Lager, was wirklich gebraucht wird.
- Höhere Lieferfähigkeit – die Saison-Erkennung verhindert, dass Sie zur Spitze leer dastehen.
- Sichtbare Sortimentsbereinigung – Auslistung mit Daten begründet, nicht aus dem Bauch.
- Stammdaten-Hygiene als Nebeneffekt – Inventur-Auffälligkeiten, fehlende EK-Preise und unrealistische Mindestbestellmengen werden sichtbar.
- Entlastung der Disposition – vom Bauchgefühl- zum Prüf-Job.
Beispiel aus einer Pilot-Anwendung
Bei einem mittelständischen B2B-Händler mit rund 63.000 Artikeln im Stamm und gut einer Million Lagerbewegungen über drei Jahre ergab die App folgendes Bild (anonymisiert):
| Anonymisiertes Beispiel: B2B-Großhandel |
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- Hinweis: Die Zahlen sind ein Beispiel und hängen von Sortiment und Datenqualität ab. Was die App bei Ihnen findet, zeigt der erste Testlauf.
Häufige Fragen (FAQ)
- Listet die App Artikel automatisch aus?
- Nein. Kritische Fälle kommen als Brief am Artikel zur Freigabe. Beim ersten Lauf sollten die Auslistungs-Werte nicht sofort auf 0 gesetzt, sondern die Briefe abgearbeitet werden.
- Warum ändern sich manche Werte gar nicht?
- Es wird nur aktualisiert, wenn sich der Wert spürbar ändert – das verhindert eine Flut von Kleinst-Korrekturen.
- Wie wird die Saison berücksichtigt?
- Die App rechnet vom Stichtag in die Zukunft und gewichtet jeden Tag mit dem Faktor seines Monats. Ein September-Lauf hat Oktober und November schon im Plan.
- Ein Artikel hat eine zu hohe oder zu niedrige Empfehlung.
- Sehen Sie in die Bemerkung (Trend, Mindestbestellmenge, Bestand). Meist steckt dort die Erklärung. Alle Schwellen sind über die Parameter anpassbar.
- Gilt die Berechnung pro Lager?
- Im Standard werden alle Läger zusammengefasst (zentrale Disposition). Eine lagergetrennte Planung ist eine Ausbaustufe.
- Wie oft läuft die App?
- Monatlich, automatisch über den OBS-Scheduler.
Glossar
- Meldebestand
- Bestand, bei dem nachbestellt werden muss.
- Maximalbestand
- Auffüllziel: Meldebestand plus sinnvolle Bestellmenge.
- Tagesbedarf
- Durchschnittlicher täglicher Verkauf eines Artikels.
- Wiederbeschaffungszeit
- Zeit von der Bestellung bis zur Lieferung.
- Sicherheitstage / Sicherheitsbestand
- Puffer gegen Bedarfsschwankungen.
- ABC-Klassifikation
- Einteilung nach Beitrag zum Einkaufs-Umsatz (A wichtig, C gering).
- Saison-Faktor
- Wie stark der Umsatz eines Monats vom Jahresschnitt abweicht.
- Mindestbestellmenge (MBM)
- Kleinste Menge, die ein Lieferant je Bestellung liefert.
- Auslistung
- Empfehlung, einen Artikel nicht mehr zu bevorraten.
- Brief am Artikel
- Hinweis, den die App am Artikel in OBS ablegt, zur Freigabe.